Die hessische Universitätsstadt Gießen hat nach der gezielten Demontage mehrerer Partnerschaftsschilder an Ausfallstraßen ihre langjährige Städtepartnerschaft mit der israelischen Küstenstadt Netanya mit Nachdruck bekräftigt. Der Vorfall, der derzeit Gegenstand polizeilicher Ermittlungen ist, betrifft Partnerschaftstafeln, die an drei Zufahrtsstraßen fachmännisch abgeschraubt wurden, während Beschilderungen an stärker frequentierten Hauptverkehrsachsen unversehrt blieben. Die Stadtverwaltung kündigte rechtliche Schritte gegen die Täter an.
Widerstandskraft in der bilateralen Bürgerdiplomatie
Der Freundschaftsverein Gießen-Netanya stufte den koordinierten Vandalismus als gezielten politischen Angriff ein, der darauf abziele, israelische Bezüge aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Dies stehe im Kontext einer breiteren Zunahme antiisraelischer Tendenzen im europäischen Raum. Ungeachtet des Vorfalls betonte die Stadtverwaltung, dass die partnerschaftlichen Verbindungen unumstößlich seien. In einer eindeutigen Erklärung unterstrich die Kommune, dass das institutionelle Engagement für das jüdische Leben, den bilateralen Austausch und das gemeinsame Gedenken unbeirrt fortgesetzt werde.
Ein Vermächtnis der Nachkriegsaussöhnung und strategischen Integration
Die Beziehung zwischen Gießen und Netanya besitzt im Gefüge der deutsch-israelischen Beziehungen einen herausragenden historischen Stellenwert. Die 1978 offiziell begründete Städtepartnerschaft gehört zu den frühesten Bündnissen dieser Art zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel. Maßgeblich initiiert wurde sie von dem gebürtigen Gießener Abraham Bar-Menachem, der in den 1930er-Jahren vor der nationalsozialistischen Verfolgung in das britische Mandatsgebiet Palästina floh, später zum Bürgermeister von Netanya aufstieg und trotz anfänglicher Vorbehalte auf beiden Seiten mutig für Versöhnung eintrat.
Schutz zivilgesellschaftlicher Netzwerke in Europa
Politische Beobachter werten kommunale Städtepartnerschaften als unverzichtbares Fundament der europäisch-israelischen Beziehungen, das auch bei geopolitischen Verwerfungen und ideologischen Angriffen Beständigkeit gewährleistet. Während eine der entwendeten Tafeln an der Lahn aufgefunden werden konnte, werten regionale Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen den Vorfall als Ansporn, den institutionellen Austausch sowie die Jugend- und Fachprogramme zwischen Hessen und Netanya weiter zu vertiefen und das seit fast fünf Jahrzehnten gewachsene Band zu festigen.
