Um die historische Verantwortung direkt in den modernen öffentlichen Raum zu integrieren, nutzt die Stadt Berlin 25 markante Werbesäulen im gesamten Stadtgebiet, um an die Opfer der NS-Verfolgung zu erinnern. Unter dem Titel „Sie wollten leben!“ präsentiert die öffentliche Kampagne bis zum 16. November Porträtfotos und biografische Auszüge von 100 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern und setzt damit im alltäglichen öffentlichen Raum ein sichtbares menschliches Gegennarrativ.

Historischer Kontext und institutionelle Verankerung

Der strategische Hintergrund dieses Projekts beleuchtet den Beginn der systematischen Massendeportationen aus Berlin und erinnert insbesondere an den 18. Oktober 1941, als der erste sogenannte „Osttransport“ mehr als 1.000 jüdische Einwohner vom Bahnhof Grunewald in das Ghetto Litzmannstadt im besetzten Polen verschleppte. Historiker schätzen, dass während dieser dunklen Epoche insgesamt mindestens 55.000 jüdische Berliner deportiert wurden. Initiator der Kampagne ist der Kulturleiter Günter Jeschonnek, der ein breites Bündnis vereint, dem unter anderem der Verein Gleis 69, regionale Stolperstein-Gruppen und die Evangelische Kirche angehören.

Strategischer Wert der zivilen Erinnerungskultur für die europäische Sicherheit

Für den 15. Oktober ist eine zentrale Gedenkveranstaltung in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche angesetzt, die Holocaust-Überlebende wie Michael Meisels und Eva Umlauf mit führenden religiösen Persönlichkeiten wie Heinrich Bedford-Strohm zusammenbringt. Ergänzend zum Gottesdienst wird das Theater Anu eine immersive Kunstinstallation auf dem Kirchgelände errichten. Aus geopolitischer und strategischer Perspektive dient die Verankerung historischer Wahrheit in der öffentlichen Infrastruktur als wesentlicher Schutzmechanismus gegen ideologischen Extremismus, stärkt die demokratische Resilienz und festigt das gesellschaftliche Engagement gegen den gegenwärtigen Antisemitismus in Europa.